Update #3

Es ist 11:23, Außentemperatur beträgt -2° Celsius bei einer Wohlfühlluftfeuchtigkeit von 83% mit leichtem Schneefall. Draußen war ich trotz dieser tropischen Hitze noch nicht. Dennoch stelle ich mir seit geraumer Zeit die Frage, ob hier in Kasachstan womöglich alle Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt werden und das Eis auf den Straßen theoretisch schon bei dieser Temperatur schmelzen würde. Für das Glatteis sind diese -2° doch irgendwie ungewohnt und unerträglich warm.

Meine Großeltern haben noch nicht angerufen; sehr merkwürdig eigentlich, wenn man bedenkt, dass ich mit ihnen mehr Kontakt habe, als mit meiner eigenen Mama. Sie rauscht nach dem sehr kargen Frühstück aus dem Hause und düst wie eine geschäftige Dame ins Spital, wo höchstens die Besserungsblumen rosig sind. Oma und Opa versorgen mich auch weiterhin mit umfangreichen Rationen von Nahrungsmitteln und langsam fühl ich mich wie in einem Entwicklungsland, das auf Hilfspakete der spendablen USA angewiesen ist. Gestern hat Großmütterchen Nina deklamiert, ein gesunder Mensch esse mindestens fünf Mal am Tag eine Handvoll einer anständigen Mahlzeit. Die drei Mahlzeiten, die ich einnehme, seien lachhaft und ich sähe aus, wie eine Bohnenstange. Als ich dann begann, mich zu verteidigen und darauf verwies, dass ich mich wie ein wohlgenährtes Baby ernähre, bekam ich nur ein unterdrücktes Gelächter und Geschnaufe zur Antwort, woraufhin mir ausschweifend erklärt wurde, psychisch instabile Menschen seien an ihrer angeschlagenen mentalen Gesundheit selbst verschuldet und verdienen sich hiermit keine ärztliche Hilfe. Nickend und schweigend zermatschte ich den Hörer eines alten Telefons (auja, so etwas gibt es hier noch, auch die mit diesem Drehdingsi. Alle so hipsteroid hier.) in meinen Fingern und bejahte brav.

Im Hof rennt gerade ein alter Knacker herum und verkündet durch ein Megaphon die frohe Kunde. "Milch, Topfen, Eier!"- so läuft hier übrigens der Lebensmittelverkauf. Händler laufen die Straßen auf und ab, wecken die gesamten Herrschaften, die dann in Bademänteln und Hauslatschen hinausstürzen, um doch noch über die Runden zu kommen. Ich habe nun überlegt, ob ich nicht auch das Haus verlassen sollte, um nach Brot zu fragen. Aber den Gedanken habe ich schnell wieder verworfen. Anfangs war ich noch so überzeugt: Ja!! Noch 60€ in der Handtasche, eigentlich könnte ich sogar shoppen gehen. Dann fiel mir ein, dass eine andere Währung die Geldbörsen der kasachischen Bürger zieren. Nach langer Suche konnte ich 200 Tenge ausfindig machen, da fühlte ich mich dann doch recht wohlhabend, bis ich umrechnete und frustriert feststellte, dass ich mir damit in diesem Land 5 Eier leisten könnte.

0 Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Blog Archive