Wie viele wissen, bin ich derzeit in Kasachstan. Almaty. Meine Heimatstadt, das traute Heim, wo Omi und Opi liebevoll Hühnersuppe kochen und der Schnee das Wahrzeichen dieses Gebietes ist. 10 Jahre her liegt mein letzter Aufenthalt hier und die Umgebung hat sich derb gewandelt, ich erkenne nichts mehr. Obwohl: dies kann auch daran liegen, dass ich mich an nullkommanichts erinnern kann.
Da die Lage hier wirklich an eine Komödie grenzt, habe ich beschlossen, meine Eindrücke niederzuschreiben. Also, los geht's:
Das Eigelb hier gleicht in der Farbe dem Eiweiß, Honig und chlorversetztes Wasser sind Hauptnahrungsmittel, Augen- und Ohrenentzündungen, bzw. Entzündungen jeglicher Art sind Gang und Gebe, weswegen ich mich endlich mal zugehörig fühle, es herrschen ganz frühlingshafte -10°, aber auf die -20° am Abend freu ich mich ganz ungehalten, das Wort 'roh' existiert im russisch-kasachischen Wortschatz nicht, im Hof kann man tagtäglich den Überlebenskampf der Eichhörnchen und Raben beobachten, wenn sie einmal etwas gefunden haben, das nicht ein Eisbrocken und essbar ist. Das mütterlich auferlegte Rauchverbot halte ich sehr brav und sittsam ein, aber eigentlich eher aus Angst, auf dem Glatteis auszurutschen und vom Balkon zu fallen. Auf allen Modems steht natürlich sehr richtig das WLAN-Netzwerk und das Passwort: einziger Haken- überall steht bloß 'admin' für das Netzwerk und ebenso originell 'admin' für das Passwort. Die Ampeln sind hier ein Schmankerl besonderer Art: sie haben Countdowns drüberhängen, die anzeigen, wann sich die Farbe ändert. Die Hunde hierzulande bellen nicht, aus Angst, ihnen könnte sonst die Kehle innen gefrieren. Sie winseln leise und wollen ihr Geschäft gar nicht mehr verrichten. In der Politik läuft alles klasse und Europa muss sich echt ein Beispiel nehmen.
Auch sonst ist alles fantastisch. Sogar das Pferdefleisch, das man hier auch außerhalb einer Lasagne verzehrt.
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