Einst.

Meine Pandabärenaugenringe werden heute ein Revival erleben. Aber hart. Wieso? Monsieur Cerebrum findet es durchaus amüsanter, Flashbacks abzuspielen und diese aufs Genaueste zu interpretieren. Also liege ich da und lasse diesem Schauspiel in meinem Kopf freien Lauf. Und betrachte diesen Film des dunklen Gedankentunnels mit geröteten, trockenen, verheulten Augen.

Weißt du noch? Einst pflegten wir zu tanzen. Du nahmst mich an den Händen, hievtest mich hoch, ließest mich in der Luft baumeln, als wäre ich einer dieser Ahorn-Propeller, die man in Gestalt eines Kleinkindes im Herbstwind hinundherschwingen ließ, bevor man sie losließ. Und dann stelltest du mich herab auf deine Füße- ich klammerte mich an deine Zahnstocherbeinchen- und so tanztest du. Mit mir. Vor zurück, vor zurück. Und wie ich lachte! Weißt du noch?

Weißt du noch? Einst übten wir uns gemeinsam in der Kunst des grotesken Grimassenschnitts. Es gibt keine einzige Aufnahme von uns beiden, auf der wir auch nur annähernd akzeptabel aussehen. Zunge hier, Hirschgeweih da, Hasenlöffel hier, Pinocchionäschen da. Ich sitze gerade mit unseren Fotos vor dem Spiegel und betrachte dieses fremde Etwas, das mir im Schneidersitz gegenüberhockt und in dessen Augen ein Gefühlscocktail, ein Gedankenozean, ein Erinnerungswald und die winkende Frau Tristesse, Hand in Hand mit Herrn Sehnsucht zu sehen sind. Ich vergleiche diese traurige Figur mit den Fotos, die nun tränenbefleckt sind. Mit den einst von so viel Freude durchtränkten Erinnerungsstücken. Wie glücklich war ich. Wie klein. Und unbeschwert. Wir hatten nichts- außer einander. Das heißt, wir hatten alles. Weißt du noch? Nun haben wir nicht einmal mehr einander.

Weißt du noch? Im Zoo? Als du mir auf dem Weg dorthin versucht hattest, die verschiedenen Geile-Schlitten-Marken näherzubringen. "Das hier ist ein Maserati, Dina. Und dieses Stück von Genialität ist ein Bentley. Oh! Und hier drüben- guck einmal: ein Porsche und ein Jaguar. Glänzen sie nicht wunderschön?" Ich war schlichtweg begeistert- weil du es auch warst. Alles, was du berührtest, das wollte auch ich bloß kurz antapsen. Alle Worte, die du aussprachst, hätte ich am liebsten in ein Glas gesteckt und verschlossen und für immer und ewig für mich behalten. So wie ein Glas voller Glühwürmchen, von denen man fasziniert ist. Und dann? Dann führtest du mich in diesen wunderschönen Tiergarten. Wir waren im Partnerlook. Nur hattest du eine Puppenversion von dir auf deinen Schultern sitzen und dir in die Ohren lachen. Und dann? Majestätisches Gehege für ein ebenso edles Tier. Klein-Dina setzt sich ans Gitter und streckt den Zeigefinger aus. "Schau! Das ist ein Porsche!", rief ich strahlend, während ein Jaguar bedächtig in seinem Gehege herumschritt und seine Runden drehte. Weißt du noch?

Weißt du noch? Wie ich dir heute stumm in die Augen blickte und förmlich mit Blicken schrie. "Geh nicht!", kreischten beide Augen im Chor. "Bitte. Bitte, geh nicht.", hauchte dieses Duo mittlerweile erschöpft vom ganzen Lamento. Doch du erhörtest mein Ensemble nicht und ohne dich umzudrehen, schlossest du diese Tür. Wie eine Mauer steht diese zwischen uns. Und ich schaue die verzweifelt durch den Spion nach, wie du den Korridor entlangschlurfst. Und fühle mich wie Thisbe, die sich durch die Ritze nach ihm sehnt. Ich riss die Türe auf und rief dir zu, ich würde dich sehr lieb haben. Weißt du noch? Nein, tust du nicht. Weil ich Hohlkopf vergessen hatte, es dir ein letztes Mal zuzuflüstern.

Aber einst, einst warst du da. Einst umarmten wir uns. Einst dachte ich, du würdest nun für ewig bleiben. Einst, einst, einst. Nicht mehr.

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