Wissen Sie was, werter Leser? Wir vegetieren dahin in einer Welt aus Lügentürmen. Und mit jeden vergangenen 24 Stunden sind diese Wolkenkratzer dem göttlichen, makellosen Himmel näher. Bis die Spitze die allerletzten Wolken durchbricht und sogar die Stratosphäre schon förmlich himmelhoch nach Heuchelei stinkt. Aber wir bauen eifrig weiter.
Laut Paul Ekman, Experte im Bereich der nonverbalen Kommunikation, besonders für seine Forschung im Gebiet der Täuschungswelt bekannt, betrachtet auf der Mimik- und Gestikebene, gibt es zwei Möglichkeiten, sich des Flunkerns schuldig zu machen. Entweder man verheimlicht wesentliche Details oder man gibt fälschliche Information. Zu berücksichtigen ist dabei aber, dass die Person 1.) nicht selbst an den gebrachten Schwindel glaubt und 2.)er kein Schauspieler ist. Sollte der zweite Fall zutreffen, so ist die Show, die der Akteur bringt nicht mehr als Täuschung zu erachten, da das "Opfer" derselben mutwillig darauf eingeht. Immerhin genießen wir, die nichtigen Bürger dieser Erde, die Kunst der Kinematographie, da diese uns die ersehnte Möglichkeit einer Flucht in eine wunderbare, gottgleiche Realität einzutauchen gibt. Wir akzeptieren die Lügen, die uns unterbreitet werden. Wir wissen, dass das nicht fühlbar, riechbar, schmeckbar, tastbar ist. Sichtbar höchstens.
In meinem Falle sind beide Ausnahmen nicht in Erwägung zu ziehen. Ich schwimme im See der Unwahrheiten. Kennen Sie diese gängigen Lügen, die wir, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verlieren, was gerade über unsere Lippen kommt, vomieren? Bestimmt. Wachen Sie auf. Hier:
Guten Tag. ("Ist mir doch furzpupsfäkalienwurscht, wie Ihr Tag ablaufen wird. Alles, was zählt ist, wie es mir heute ergehen wird. Eigentlich will ich mir Ihre Visage nicht ansehen müssen, da verlier ich nämlich die Hoffnung auf einen annehmbaren Montag. Und jetzt schleichen Sie sich, ich habe mein Pensum an Höflichkeit Ihnen gegenüber für heute erfüllt.)
Alles ok. (Nein- nichts ist okay- ich will nur, dass du Bastard endlich aufhörst, mit deiner Nase mein Privatleben durchzubummsen, als gäb's kein Morgen mehr. Check's endlich: die Antwort wird immer gleich ausfallen.)
Mach ich gleich, warte kurz. (Was sollte ich machen? Oh Gott. Was hat das Weib gesagt? Verdammt.)
Du bist mir wahrlich wichtig. (Ach, eigentlich bin ich nur auf Gossip aus und ich krieche dir einfach mal in den Anus, bleib dort wie ein Wurm, stocher noch ein wenig herum, finde die Informationshäppchen, die ich dann an die breite Masse verfüttere und gebe nebenbei noch damit an, dass ich dein Vertrauen erlangt habe und du mir alles anvertraut hast. Aber jetzt tu ich erstmal so, als fände ich dich besonders. Obwohl...besonders bist du ja. Bloß besonders hirngeschissen.)
Sehen Sie, was ich meine? Und da plädieren wir noch für die Veritas, die die Presse einhalten soll? Da wollen wir unseren Freunden vertrauen? Da wollen wir uns, verdammt noch mal, verlieben? Alles ist bloß Schein. Alles, was wir tun, ist an einer Welt werkeln, die wir nur so benötigen, weil uns sonst Madame Fadesse aufsucht. Geld? Von uns zweibeinigen Viechern erfunden, um sich vom Animalischen zu distanzieren. Religionen? Erdacht. Von Menschen. Wozu? Um der Vita entfliehen zu können, der Ungerechtigkeit und dem Schmerz. Den einzig realen Dingen. Allgegenwärtig und brutal. Die 3 kurzen, süßen Wörtchen? Nicht greifbar.
Und dann sagt er mir, sein Verstand ist flöten gegangen, als er mir das erste Mal begegnet ist. Und alles, was in seinen Augen blitzt, ist die Gier. Das Verlangen danach, mir das pumpende, hüpfende Herz aus dem Körper zu reißen. Er sagt mir, ich bin so schön. Doch alles, was mir sein Gesicht verrät, ist nur die Lust, mein Vertrauen zu erlangen und mich in Stücke zu reißen.
Dabei muss er das nicht mehr. Seine Lügen haben es schon für ihn getan.
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